"Terror für Alle" ist der Wahlspruch der "Church of Fear" des Christoph Schlingensief, der uns Terror "zum Anfassen" verspricht.
Das sogenannte Lemsche Gesetz lautet:
"Niemand liest etwas; wenn er etwas liest, versteht er es nicht; wenn er es versteht, vergisst er es sofort."
Ausserdem herrscht folgende Gesetzmässigkeit:
"Je schlechtere Nachrichten die örtliche Presse bringt, desto grössere Freiheiten geniesst des betreffende Land, desto besser geht es dort den Menschen. Wenn also die Publizisten die Hände ringen, sich die Haare raufen, das Ende voraussagen, über den Ruin jammern, dann fliessen durch die Strassen ganze Ströme glitzernder Autos, in den Auslagen türmen sich Berge der erlesensten Fressalien, alle laufen sonnengebräunt herum, leichter findet man einen Brillanten auf der Strasse als einen armen Teufel, der gefesselt, unter Bajonetten ins Gefängnis geführt wird."
LEM, s.u.
"We have not succeeded in solving our problems. The answers we found
served only to rise a hole set of new questions. We feel we are as
confused as ever. But we are confused on a higher level and about more
important things."
University of Tromsö, mathematic-department
Mexico, Land der Sorgen. Mittlerweile gibt es ein richtiges Mexico - Konvolut, nicht zuletzt ´Traffic´ und ´Frida´, das auf das mexicanische magische Licht nicht verzichtet.
Der dritte Teil der ´El Mariachi´ - Saga von Rodriguez bietet dem ´Desperado´ - Kenner gewohnte Actionkost, bis auf einen Punkt: der Patriotismus - Der Showdown des Films zeigt das unglaubliche Bild einer widerständigen, potenten, anonymen Bevölkerung, die für ihren Präsidenten einsteht. Bravo!
Weitere Bonmots:
Ein mexicanischer FBI - Agent im Ruhestand, den man aus einem anderen Mexicofilm kennt. Nur welcher Film ist das?
Johnny Depp, als CIA - Agent, trägt zum Showdown dasselbe Kostüm wie der Trinker - Welsternheld (Lee Marvin) aus der Westernkomödie ´Cat Ballou´,1965 (Das Hanf - Symbol am Gürtel ausgenommen).
Hat es der Philosophenklüngel nicht einmal geschafft eine verbindliche Sprache zu schaffen, so ist doch die Philosophie heute Ausdruck von Lebensweisen, die anderswo nicht angeboten werden ... neu anfangen! sagt Emilie Deleuze, Vermögen steigern ... Philosophie ist Sprachkunst ... mag sie auch Sprachanalyse sein ... tü tü tü ... Lebensflucht oder Ausweg ... Sprachlogik allein ist wenig ... die Sprache reicht nicht an die Wirklichkeit ran ... siehe die Filme von Godard, Allemagne neuf zero, Alphaville ... das ist eine der wenigen aktuellen Erkenntnisse ... sehr melancholisch ... und überall ist der Viennale - Chef ... in der Urania ... im Filmmuseum ...
es lebe Lemmy Caution!
World Atlas of Biodiversity:
Bioatlas
UN Atlas of the Oceans:
Oceansatlas
Der Meister lässt sich Zeit mit seiner imperativischen Publikumsbeschimpfung, und zurück bleibt ein leeres, aber erhabenes Gefühl.
Der Film erinnert an die Schwertkampfspektakel aus Wong Kar-Weis "Ashes of Time" (aber auch an Tiger & Dragon) und den einfachen Racheplot aus Rodriguez´ "Desperado" (aktueller Teil jetzt im Kino).
Tarantino zeigt erneut, wie man durch eine gewaltige Bildsprache mit unseren Gefühlen spielen kann, ohne moralische oder rührselige Untertöne anzuschlagen. Die Paraden der in Leder und Seide gewickelten Protagonisten lassen Gefühlssaiten schwingen, die von den Affektbildern des Schmerzes unberührt bleiben.
Dennoch wird - wie immer - Raum für etwaige Kritik gelassen. Im absurden Spetakel passieren die Tabubrüche nebenbei: Die minderjährigen Tatzeuginnen, die 17jährige Leibwächterin in Schuluniform, der Missbrauch der Komatösen und die Besessenheit der Männer reihen sich nahtlos in die allzumenschlichen Übergriffe der Tarantinofilme ein. Ein Frauenfilm, kein Werbespot.
Nicht einmal ein neuer Soundtrack wird uns auf der leuchtenden Bühne der Bonbon - Ästhetik mit Blick für unvermutete Details zugemutet, welche, wie es sich für einen Kampffilm gehört, im Vordergrund steht. Vom tarantinschen Theater zum Tanz, der uns vom Realitätsanspruch der ernsthaften Actionfilme befreit und die stärkste Hommage an die trotzdem schon vergangene Ära der grossen asiatischen Kampfkunstfilme darstellt.
Keine Kopie des Lebens aber eine Landkarte der Strategien und Disziplinen, von der sogar der selbstverständliche Motor der Tarantinofilme - das Geld - verschwunden ist.
"Des weiteren, unter dem Eliot entnommenen Motto, daß das menschliche Dasein "birth, copulation and death" sei, folgen neue Zahlen. In jeder Minute kopulieren 34,2 Millionen Männer und Frauen. Zur Befruchtung kommt es bloß in 5,7% des Geschlechtsverkehrs, aber das gesamte Ejakulat mit einem Volumen von 45000 Litern pro Minute enthält eine Billion neunhundertneunzig Millionen (mit Abweichungen an der letzten Stelle) lebendiger Samenzellen. [...] und die Statistik stellt sie mit den 37 850 Hektolitern siedenden Wassers zusammen, die bei jedem Ausbruch der größte Geysir der Welt (im Nationalpark Yellowstone) ausstößt. Der Sperma-Geysir ist 11,3 mal so stark und sprudelt ununterbrochen, pausenlos. Das Bild ist nicht obszön."
Quelle: Lem, S. "Eine Minute der Menschheit", Frankfurt am Main 1983
Lem schreibt in seinem Buch "Eine Minute der Menschheit" eine Rezension über die fiktive Schrift "One Human Minute" von J. Johnson und S. Johnson.
Lyotard kolportiert: "die wirkliche Erleuchtung (das Eigentliche bei Heidegger? (Anm: "Der Taoist aus Todtnauberg", "Der Bauer aus dem Schwarzwald")) besteht nicht darin, zu glauben, dass es einen Weg gibt, der zur Emanzipation führt. Die Erleuchtung besteht in dem unerträglichen Gefühl (die Angst bei Heidegger?), dass es keinen Weg gibt, dem man folgen kann. [...]
Wichtig ist nicht, dass die Holzwege nirgendwo hinführen. "Nirgendwo" bleibt bei Heidegger im Wald des Seienden trotzdem die Lichtung des Seins."
Lyotard, s.u.
Nach dem Wissenstand des Philosophen greifen diese Erklärungen zu kurz: tatsächlich kündigt sich die Erleuchtung über mehrere "Stufen" hinweg als eine unbekannte Erfahrung an, die mit einen normalen Gefühl oder Glauben weniger zu tun hat als mit einer neuen Weise des Denkens und Fühlens, welche bis zum "Donnerschlag, mit dem die Welt verschwindet" reichen kann, bei der der Adept im Vertrauen darauf, dass alles vorübergeht, gelassen im stabilen Lotussitz durch die Leere purzelnd wartet, bis alles wieder vorbei ist. Dennoch ist die Erleuchtung trotz aller bekannten Phänomene die sie begleiten eine individuelle Erfahrung, die Wachträume, ein Brennen im Bauch (Hara - vgl. Harakiri), etc. implizieren kann, jedoch nicht muss.
Letztlich sind allein Einsicht und ein makelloses Leben Indizien eines erleuchteten Lebens.
Heidegger, besessen von den begrenzten Errungenschaften seiner Philosophie und unfähig, sich in andere einzufühlen, kann in dieser Hinsicht nur als machtbesessener "Zauberer der dunklen Seite" vorgestellt werden, der wie es seinem Stand eignet, durchaus gewisse Kunststückchen des Lebens meisterte.
1990: "Die irakische Diktatur entstand wie die anderen durch die Übertragung [der Widersprüche des westlichen Systems] auf die besiegten, weniger entwickelten oder schlicht weniger Widerstand leistenden Länder. [...]
Diese Not ist demütigend, sie ruft Verbitterung hervor, und das sind affektive Voraussetzungen, von denen die meisten Leute im heutigen Westen keine Ahnung haben. Man wird gedemütigt, weil man das Gefühl hat, dass die Gemeinschaft und die Kultur, zu der man gehört, mindestens genauso bedeutend wie die der Herren sind.
[...]
Die arabischen Völker hatten seit Jahrhunderten eine der glänzendsten Zivilisationen der Welt. [...]
Beim Zusammenstoss mit dem klassischen und modernen Westen wurde der Islam geschlagen, weil das Gesetz des Korans es den moslemischen Staaten nicht erlaubte, sich als mächtige kapitalistische Wirtschaftssysteme zu entwickeln, sondern nur als merkantilistische Systeme. Die christliche Lehre dagegen verbot es nicht, das expotentielle Wachstum individueller Reichtümer zu legitimieren: sie konnte es sogar zum Zeichen göttlicher Gnade machen. Diese Blockierung war die Ursache für den Niedergang der mächtigen mittelalterlichen Kalifate. Es blieb nur der heilige Krieg. Aber dieser ist kaum erfolgversprechend in einer Welt, wo Kriege wirtschaftliche Konflikte sind, die mit anderen Mitteln fortgesetzt werden. [...]
Clausewitz sagt, der Anfwand für eine Angriff ist acht mal höher als für die Verteidigung."
Lyotard, Jean-Francois, Postmoderne Moralitäten
Die Essayistik dieser Jahre war geprägt vom unbehaglichen Gefühl einer untergehenden, verkehrten oder entfremdeten Welt. Die Diagnosen waren düster und die Therapieangebote zahlreich. Konjunktur hatten die Versuche, das unheile Ganze aus einem Punkt zu kurieren. [Die Lösungen der Krisenphilosophie] trugen verschiedene Namen: "Proleteriat", das "Unbewusste", die "Seele", das "Heilige", das "Volkstum" usw. [Zwei Jahre vor SEIN UND ZEIT] grassierten fanatischer Antisemitismus und Rassendenken, begann die "Bolschewisierung" der KPD, schrieb Hitler in Landsberg "Mein Kampf", suchten Millionen ihr Heil in sektiererischen Bewegungen - Okkultismus, Vegetarismus, Nacktkultur, Theo- und Anthroposophie, es gab viele Erlösungsversprechen und Orientierungsangebote. Das Trauma der Geldentwertung hatte die Geschäfte der Inflationsheiligen blühen lassen.
[...]
Für den Monomanen der "verkappten Religion" schrumpfte die Welt. "Er findet in allem und jedem Ding nur noch die Bestätigung seiner Meinung" die er mit der Inbrunst des Glaubens verteidigt gegen die Welt und den eigenen Zweifel.
SEIN UND ZEIT gehörte in diese krisenhafte Stimmungslage, aber unterschied sich vom einschlägigen Genre dadurch, dass hier keine Therapie angeboten wurde. Freud hatte 1929 seine Diagnose über das "Unbehagen in der Kultur" mit den Worten eingeleitet: "So sinkt mir der Mut, vor meinen Mitmenschen als Prophet aufzustehen, und ich beuge mich ihrem Vorwurf, dass ich ihnen keinen Trost zu bringen weiss, denn das verlangen sie im Grunde alle." Diese Worte passen auch auf das Heideggersche Unternehmen.
Safranski, Rüdiger, Ein Meister aus Deutschland. Heidegger und seine Zeit
Robert Harris zitiert in "Vaterland", - eine Fiktion, in der Hitler
den Krieg gewonnen hätte -, einige Protokolle und Dokumente:
GEHEIME REICHSSACHE. KONFERENZPROTOKOLL. 30 KOPIEN. KOPIE Nr....
I. An der am 20.1.1942 in Berlin, Am Großen Wannsee Nr. 56/58
stattgfefundenen Besprechung über die Endlösung der Judenfragen
nahmen teil:...
III. Im Zuge dieser Endlösung der europäischen Judenfrage kommen rund
11 Millionen Juden in Betracht...
Unter entsprechender Leitung sollen nun im Zuge der Endlösung die
Juden in geeigneter Weise im Osten zum Arbeitseinsatz kommen...
Eichmann...: Schließlich wurde Obergruppenführer Heydrich nach den
praktischen Schwierigkeiten gefragt, die sich bei der Verarbeitung so
großer Zahlen ergeben...
Sturmbannführer Lange berichtete, daß kürzlich drei Methoden zum
Einsatz gekommen seien, die Vergleichsmöglichkeiten bieten...
In der Zwischenzeit habe man Versuche an russischen Gefangenen und
polnischen Juden mit Zyklon B durchgeführt. Hierbei seien de
Ergebnisse ... besonders vielversprechend gewesen.
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