In seinem neuen Buch D y L E M a t y (DiLEMmas) beschreibt Stanislaw LEM das tiefe Desinteresse, dass ihn zusammen mit den Kritikern erfasste, als er von Soderberghs Regie erfuhr, welcher seine Solaris - Fassung als Mischung aus Kubricks 2001:Odyssee im Weltraum und Bertoluccis Der letzte Tango ankündigte. Ausdrücklich stellt LEM fest, dass, hätte er eine Liebesgeschichte schreiben wollen, er sie Romanze im Weltraum und nicht Solaris genannt hätte.
Die dem Film geschuldete Auflagensteigerung seiner Werke nennt er neutral "Nebeneffekt"
Weitere Meinungen LEMs in Kürze:
* Keine positive Erwähnung der Tarkowski - Fassung von Solaris, den er neutral behandelt.
* Solaris war als Gegenraktion der allzumenschlichen Sience - Fiction geplant, deswegen tat er sich am Schluss, als alles gesagt war, schwer die menschlichen Probleme zu Ende zu bringen.
* Pynchons Patchwork "Die Enden der Parabel" konnte er nicht lesen und vergleicht ihn mit Musil, der auch keinen Erfolg gehabt hätte, wäre sein Roman zerstückelt zusammengestöpselt oder ein Fragment geblieben (was Musil ja von Reich-Ranicki vorgeworfen wird). (In diesem Sinne versteht er anscheinend wenig Spass, was das durch moderne Medien hervorgerufene Experimentieren mit Literatur betrifft.)
* Fernsehen = zu 90% stinkender Auswurf :)
"Sobald man einen Schritt aus dem Gebiet des schon Gedachten hinaus macht, sobald man sich ausserhalb des Wiedererkennbaren und Sicheren bewegt, sobald man neue Begriffe für unbekannte Länder erfinden muss, fallen Methode und Moral, und Denken wird, nach einer Formulierung Foucaults, ein "gefährlicher Akt", wird zur Gewalt, die man zunächst gegen sich selbst ausübt.
Die Einwände, die dann erhoben werden, kommen immer vom sicheren Festland her, es sind gewissermassen Bojen, die einem zugeworfen werden, aber um einen zu verwirren und daran zu hindern weiter vorzudringen [...]"
Deleuze, Gilles, s.u.
Aber was passiert, wenn man das Wagnis als Entschuldigung nimmt, um kauzig zu werden?
(Und nimmt das Posting Bezug auf das letzte Feedback, welches uneindeutig interpretierbar ist...?)
"Die Logik eines Denkens ist die Gesamtheit der Krisen, die es durchläuft, es gleicht mehr einer Vulkankette als einem System, das in sich ruht und nahe am Gleichgewicht ist."
Deleuze, Gilles Unterhandlungen
Man wird dem Recht geben und sich trotzdem fragen können, ob das so heftig sein muss wie bei Foucault, der bekanntlich sogar als Faschist verleumdet werden konnte und an Krebs/Aids mit circa 60 Jahren verstarb.
Es finden sich ja in der Geschichte des Denkens tatsächlich viele Persönlichkeiten, deren lebenstägliche Genalogie erstaunlich viele kauzige und andere Anekdoten liefert.
Durch (un)zählige Vernissagen und Parties navigierend findet der Philosoph zum Samstag Nacht Programm:
20:15 Spartacus / Star Trek VI
ad 1 Spartacus: So wie die Geschichte ihre barbarischen Zeiten hatte (alles vor, nach und während des Ersten Weltkriegs bis in die 80er), so auch das Kino (alles vor und nach Quentin Tarantino, ausgenommen der Franzosen?).
Der göttliche Kubrick führt uns durch ein Sklavendrama, das, in einer der geschichtsträchtigten Zeiten des römischen Reiches (Kikero wird bald darauf während der Flucht erschlagen) spielend, vom Geschichtsunterricht totgeschwiegen wird. Wie auch in dem hervorragenden "Eine Frage der Ehre" geniessen wir die geschönte Schwarz-Weiss Malerei des grossen populistischen Avantgardisten. Angekündigt als Remake von 1990 (Time for Guru?), das uns nicht einmal die damals zensierten schwulen Szenen erspart, entpuppt es sich als laues Gespräch über Muscheln und/oder Schnecken mit Tony Curtis.
ad 2 Star Trek VI (womit wir endlich zum Titel dieses Vortrags kommen):
Dem Zitat "Menschen suchen wir, niemanden sonst." ist das Gespräch zwischen James T. Kirk und dem nicht mehr so logischen Spock im Mittelteil des Films hinzuzufügen (1991):
Kirk: Aber wir Menschen-
Spock: Ich bin kein Mensch, wie Sie wissen.
Kirk: Spock, Soll ich ihnen was sagen: Wir alle sind Menschen.
Spock: Ich finde das ist eine Beleidigung...
Und gegen Ende:
Spock: Wenn ich ein Mensch wäre, würde meine Antwort mit grosser Wahrscheinlichkeit lauten: Fahr zur Hölle!
Natürlich alles Spass unter Trekkies was da unter den Oldies gesagt wird.
22:15 Shaft
Bis gegen Ende des Films darf man sich ärgern, dass ständig die Nigger ins Gras beissen, während der weisse Bubi allen Widrigkeiten zum Trotz seiner Verhandlung entgegenharrt, bis in der vorletzten Szene derselbe von einer sympatischen älteren Lady abgeknallt wird. Gibt es nicht auch Shaft II?
Schon wieder wurde das Universum, das manche die Bibliothek nennen, gerettet!
Es lebe Borges!

Auf der Suche nach einem Zen - Comic stiess der Philosoph auf folgenden Verlag aus Singapur, welcher sich auf die Publikation chinesischer Kulturgeschichte im Cartoon - Format spezialisiert. Vor allem die Illustrationen von Tsai Chih Chung haben es ihm angetan (siehe Bild).
Sie site ist sehr langsam, hat man es aber geschafft einen Titel zu bestellen, darf man sich darauf freuen, ihn in wenigen Wochen in Händen zu halten.
ASIAPAC VERLAG
(Es ist NICHT notwendig, die angebotene Sprachkomponente zu installieren)
Snout: Wir brechen in den Kosmos auf, wir sind auf alles vorbereitet. das heisst, auf die Einsamkeit, auf den Kampf, auf Martyrium und Tod. Aus Bescheidenheit sprechen wir es nicht laut aus, aber wir denken uns manchmal, dass wir grossartig sind. Indessen, indessen ist das nicht alles, und unsere Bereitschaft erweist sich als Theater. Wir wollen gar nicht den Kosmos erobern, wir wollen nur die Erde bis an seine Grenzen erweitern.
[...]
Wir sind humanitär und edel, wir wollen die anderen Rassen nicht unterwerfen, wir wollen ihnen nur unsere Werte übermitteln und, als Gegengabe, ihrer aller Erbe annehmen. Wir halten uns für die Ritter vom heiligen Kontakt. Das ist die zweite Lüge. Menschen suchen wir, niemanden sonst. Wir brauchen keine anderen Welten. Wir brauchen Spiegel. Mit anderen Welten wissen wir nichts anzufangen. Es genügt unsere eine, und schon ersticken wir an ihr.
Stanislaw Lem, Solaris, 1968
Das legt Lem seinem Charakter Snout in einer emotionalen Situation in den Mund.
Alles flieht...
frei nach Gilles Deleuze
Weil
1. Alles in Bewegung ist.
2. Stillstand, ein Ist - Zustand schnell unbefriedigend wird.
3. Flucht in neue Gegenden führt.
Und das, wo Flucht so ein negativer Begriff ist. Es leben die Minoritäten!
Das Leben ist konstitutiv paradox.
"Wie findest du diesen Schitt?" fragte Säure.
"Hübsch", räumt Gustav ein. "Ein wenig stahlig, vielleicht, und die Ahnung eines Bodengeschmacks hinter seinem Körper, den man zugegebenermaßen als süffig bezeichnen kann."
"Ich hätte ihn vielleicht eher spritzig genannt", widerspricht Säure, falls das ein Widerspruch ist. "Im allgemeinen aber recht bukettreich, mehr als der letzte Jahrgang, findest du nicht?"
"Ja, für eine Kreszenz aus dem Hohen Atlas hat er durchaus seine Art. Man kann ihn geradezu als kernig bezeichnen, ja sogar - wie man es bei der sauberen Qualität der Oued-Nfis-Lagen nicht selten findet - als regelrecht pikant."
"Ich würde eigentlich eher dazu neigen, seinen Ursprung an den Südhängen des Dschebel Sarho zu vermuten", sagt Säure, " beachte dasSpiel, eher glatt und blumig, und sogar eine Andeutung von Fülle in
seinem würzigen Ausdruck-"
"Neinneinnein, Fülle ist zu hoch gegriffen, der El-Abid-Smaragd von vorigem Monat hatte Fülle, doch das hier ist ganz eindeutig mehr zart als wuchtig im Charakter."
In Wahrheit sind beide so bedröhnt, daß keiner von ihnen weiß, wovon er überhaupt redet[...]
Die Enden der Parabel (Gravity's Rainbow), Thomas Pynchon
Paris, 17. Februar 1942
"Abends bei Calvet, in Gesellschaft von Cocteau, Wiemer und Poupet, der mir ein Autogramm von Proust* für meine Sammlung gab. Cocteau erzählte daraufhin von seinem Verkehr mit Proust. Er lies nie abstauben; die Flausen lagen ´wie Chinchilla´ auf dem Mobiliar. Beim Entritt wurde man durch die Haushälterin gefragt, ob man nicht Blumen mitbringe, sich parfümiert habe oder in Gesellschaft einer parfümierten Dame gewesen sei. Man fand ihn meist im Bette, aber angezogen, mit gelben Handschuhen, weil er vermeiden wollte, die Nägel abzukauen. Er gab viel Geld aus, damit die Handwerker im Hause, deren Geräusch ihn störte, nicht arbeiteten. Nie durfte ein Fenster geöffnet werden; der Nachttisch war mit Medizinen**, Inhalatoren und Zerstäubern bedeckt. Seinem Raffinement fehlte es nicht an makabren Zügen; er ging zum Schlachter und liess sich zeigen ´wie man ein Kalb absticht´."
Ernst Jünger s.u.
Anm.:
*Proust, Marcel, bedeutendster französischer Schriftsteller des 20Jh.s, u.a. "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit", ca. 8000 Seiten. Für eine Kurzdarstellung des Inhalts siehe entsprechenden Sketch von Monty Python.
**u.a. Haschischtinktur?
Es war einmal ein beliebiger Souverän, ein Herrscher, der seinen Untertanen den Tod zu geben vermochte oder sie leben lassen konnte. Seine Macht war repressiv. Das ist lange her.
Der moderne Staat macht leben. Durch Bevölkerungskontrollen, Gesundheitsvorsorgen, Kindergelder etc. mehrt er seine Bestandteile, die Menschen, und gibt ihnen das Leben. Aber Kraft dieser lebensspendenden Funktion nimmt sich die Staatsmacht auch das Recht zu noch nie da gewesenen Massakern heraus.
sinngemäss Foucault, Der Wille zum Wissen. Sexualität und Wahrheit I
"Es gibt Kriterien, und es ist wichtig, dass sie nicht im Nachhinein geliefert werden."
Weil viele Elemente sich sowieso verspäten, noch nicht angekommen sind oder niemals ankommen werden.
Nach Gilles Deleuze
"Buddha verspricht nichts und hält alles;
Jesus verspricht alles und hält nichts!"
frei nach Nietzsche
Buddha promises nothing and holds everything
Jesus promises everything and holds nothing
Buddha verspricht das Nirvana; das Nirvana ist das, was von der Flamme übrigbleibt, wenn sie erloschen ist, also nichts; dieses Versprechen hält er auch.
Jesus verspricht hingegen das Paradies, also alles was man sich nur wünschen kann. Was das ist, davon hat jeder Europäer eine Vorstellung, oder nicht?
Kann mir jemand sagen, was ist das Paradies?
Der Reichtum der Gegenwart ist genährt durch Schöpfen in, Gleichgültigkeit gegenüber oder Ablehnung der Vergangenheit.
Hierzu ein Cadillac für die Formel-Eins-80er-Party von Trashcave.eV ...
Was ist das?
Feeding ist ein neuer Trend aus den USA. Übersetzt bedeutet es "Mästen". Gefeedet werden jedoch keine Tiere, sondern Frauen. Der Feeder geilt sich am Fett der Gefeedeten auf und lässt keine Chance aus, diese mit Kalorien zu beglücken. Die Diät besteht zum Großteil aus Fast Food, IceCream oder einfach flüssigem Fett, welches mit Hilfe eines Schlauches direkt in den Magen gepumpt wird.
link: Feeder UK
Wieso Frauen gerne gefeedet werden wollen?
Einerseits liegt es in der Natur der Frau, sich vom Manne ernähren zulassen. Andererseits ist die "moderne" Frau von den knackigen, superdünnen Models desillusioniert, sodass die Beziehung zu einem Feeder eine gute Ausrede ist, sich gehen zu lassen.
Zuletzt stellt sich die Frage was gegen feeding eizuwenden ist und ob die gefeedeten Frauen Opfer eines Perversen sind oder Täter, als fresssüchtige Faullenze?
Seit ich von diesem Phänomen erfahren habe sehe ich Fette aus einer anderen Perspektive, wobei der schlimmste Feeder immer noch die Nahrungsmittel- und FastFood-Industrie ist. Jedoch gehört zu einem Feeder immer noch eine Gefeedete.
RTL hat kürzlich diesen Trend nach Deutschland gebracht, auch im Netz breitet er sich global aus.
Als neuste Variante hat sich das Automanuelle Feeden (Self-feeding) herausgebildet. Dabei ist man Täter und Opfer zugleich. Endlich ein Weg sich gehen zu lassen und dabei voll im Trend zu liegen. Dass diese Variante einen extremen Erfolg haben wird lässt sich jetzt schon mit Zahlen bestätigen. Waren in den 80er-Jahren 14,5 der US-Amerikaner fettleibig so verdoppelte sich die Zahl in den letzten 20 Jahren auf 31% (Quelle taz).

(von li. nach re.: John Hancock, Thomas Jefferson, George Washington)
Die Behauptung:
".. wir wissen, dass die USA bis heute das fruchtbarste Selbstlobkollektiv unter den politischen Einheiten der aktuellen "Völkerfamilie" darstellen, man könnte auch sagen die Gesellschaft, zu deren Gründungsbedingungen es gehörte, den Abbau von kulturellen Hemmungen gegen die Verwendung von erhöhenden Superlativen im demokratischen Selbstbezug so weit wie möglich voranzutreiben.
Was sind die USA, wenn nicht das Produkt einer Erklärung der Unabhängigkeit - von der Bescheidenheit (wohl nicht nur vor der britschen Krone)?"
Das Beispiel:
"Thomas Jefferson [der Mann in der Mitte, "Redakteur der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung"] hatte bereits während seiner ersten Präsidentenamtszeit in Washington in einigen von Geschäften freien Nächten sich damit befasst, aus einer Reihe von Ausgaben des neuen Testaments in griechischer, lateinischer, französischer und englischer Sprache Ausschnitte mit der Schere zu machen, die er in einem leeren Buch zu einer Neufassung des Evangeliums zusammenklebte. [Jefferson-Bible]
[...]
Wer nach der Amerikanischen und Französischen Revolution das evangelische Sprachspiel weiter als Gewinnspiel betreiben will, muss vor allem weglassen können. Das ist der Sinn des Neo-Humanismus: am alten Evangelium tilgen zu dürfen, was mit der eigenen Glorifikation als Humanist und Bürger unverträglich geworden ist.
[...]
Mit energischer Naivität trennt der aufgeklärte Redakteur die unanehmbaren Jesusworte von dem, was Jesus gesagt haben würde, hätte er von jefferson beifällig zitiert werden wollen."
Sloterdijk, Peter, s.u.; Bild: Lucasarts, Day of the Tentacle (Maniac Manshion II)