11.12.03

Klimatologie 4 Nachtrag

mit jedem treffenden, schlagenden, schneidenden Wort wächst der Abstand der Vormenschen gegenüber ihrer "Umwelt"

Durch die Trias von Werfen, Schagen und Schneiden (ergänzt durch manuelle Operationen wie Knüpfen, Schaben, Polieren, Stechen etc.) öffnet sich ein Fenster, in dem Produktionen geschehen und Produkte erscheinen können ... Der Vormensch als Werfer, Schlagoperateur und Zerleger ... Die Lichtung [quasi Menschwerdung] ist ein Werk der Steine, die zu anderen Steinen, zu entstehenden Händen und zu bearbeitbaren oder treffenden Dingen passend werden.

Der erfolgreiche Schlag ist die Vorform des Satzes. Der treffende Wurf ist die erste Synthesis [ ] aus Subjekt (Stein), Kopula (Aktion) und Objekt (Tier oder Feind). Der durchgehende Schnitt präfiguriert das analytische Ureil. Darum: Wer von Steinen nicht reden will, soll von Menschen schweigen...

Der Erfolg der harten Mittel - der Wurf-, Schlag-, und Schneidemittel - bildet sich im weichen Mittel, im Sagen und Zeichnen, ab. In dieser Sicht ist die Sprache nichts als ein Medium, Erfolge zu repräsentieren und zu präsentieren - mithin eine Form, die einerseits Erfolge weitergibt, andererseits selbst reiner Vollzug von Redeerfolg ist.* Mit jedem erzielten, gesagten und gespeicherten Erfolg, mit jedem treffenden, schlagenden, schneidenden Wort wächst der Abstand der Vormenschen gegenüber ihrer "Umwelt" und spinnt sie in die Sphäre der erfolgreich gesagten Worte ein. ... In diesem Sinn streben tatsächlich alle Menschen "von Natur aus" nach dem "Wissen" [Aristoteles, Anfang der Metaphysik], das Erfolg ist.

Solterdijk, p.185, s.u.

*siehe auch das Posting Sloterdijk, Sloterdijk über Sprache, Nietzsche und Hitler

Posted by Philosoph at 11.12.03 20:41 | TrackBack
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