21.11.03

Kynismus

Auf ´allgemeinen´ Wunsch eine Demagoge in Sloterdijk - Zitaten:

"Diogenes [von Sinope/in der Tonne; zeitgleich mit Platon] ist der eigentliche Begründer der föhlichen Wissenschaft. [..] Wieviel Wahrheit an einer Sache ist, lässt sich nach ihm am besten dadurch ermitteln, dass man sie gründlich lächerlich macht und nachsieht, wieviel Spass sie verträgt.

Denn Wahrheit ist eine spottfeste Angelegenheit, die aus jeder Ironisierung um so frischer hervorgeht. (Ist nicht der kritische Rationalismus a la Popper ein seriös missverstandener Seitenhieb des satirischen Fallibilismus?). Satire als Verfahren? Sie bezieht in jedem Fall Stellung gegen das, was man andeutungsweise das ´Hohe Denken´ nennen könnte, gegen Idealismus, Dogmatik, Grosstheorie, Weltanschauung, Erhabenheit, Letztbegründung und Ordnungsschau. All diese Formen einer herrenmässigen, souveränen und unterwerfenden Theorie ziehe die kynische Stichelei magisch an. [..] Die kynische Antiphilosophie besitzt, ausser ihrer schlagfertigen und geistesgegenwärtigen Handhabung der offiziellen, in Sprache gebundenen Bildungsgüter (Theorien, Systeme) drei wesentliche Medien, in denen sich Intelligenz von ´Theorie´ und Diskurs lösen kann: das Handeln [- meist Auswandern], das Lachen, das Schweigen [-angesichts übertriebener Handlungswut]."

Sloterdijk, s.u.

Anmerkung: Wer glaubt, die heutige Spasskultur sei es schon, greift vielleicht zu kurz. Die medialen Satiren-Rhetoriker, die zum politische Weltbild der Jungen beitragen, dienen nur der Spannungsabfuhr, damit endet ihre Aktualität. Kynischer Spass dagegen wäre lediglich das Fluidum, in welchem die praktischen Beispiele generiert werden ...

Posted by zitator at 21.11.03 14:33 | TrackBack
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