18.11.03

Politik: Wachstumsrücknahme

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Der französische Soziologe und Technikphilosoph Jacues Ellul war Optimist: "Es wird eine grosse Befriedigung sein, wenn wir gesunde Lebensmittel essen, weniger Lärm zu ertragen haben, in einer ausgeglichenen Umwelt leben und nicht mehr all denStrassen- und Güterverkehr aushalten müssen" Eine erste Voraussetzung für eine solche Umorientierung wäre allerdings die allgemeine Einsicht, dass kein Weg an einer Politik der Wachstumsrücknahme vorbeiführt.

[...]
Klimaveränderung und kriegerische Auseinandersetzungen um Erdöl gibt es bereits, Kriege um Wasserressourcen stehen uns bevor, biogenetische Katastrophen sind absehbar und können für wichtige Pflanzen- und Tierarten das Ende bedeuten. [...]
Die sinkende Umweltverschmutzung je produzierter Einheit wird durch den steigenden Ausstoss systematisch zunichte gemacht.[...]
Der Kulturkritiker Ivan Illich: "Die gute Nachricht ist, dass wir auf unserer Lebensweise nicht verzichten müssen, um die negativen Auswirkungen einer an sich guten Sache zu vermeiden. [ Nein, diese Sache ist schlecht, ] und es wäre ein Glück für uns, wenn wir uns von ihr abwenden würden."[...]
Der steigende Lebensstandard, von dem die meisten Bürger des Nordens zu profitieren glauben, erweist sich zunehmend als Illusion. Gewiss, sie können sich für ihr Geld mehr Waren und Dienstleistungen kaufen, doch sie verdrängen die noch schneller steigenden teils monetären, teils nichtmonetären Kosten: Die Lebensqualität (Luft, Wasser, Umwelt) wird deutlich schlechter; die moderne Lebensweise verursacht hohe Kompensations- und Reparationskosten (Arztneimittel, Verkehr, Freizeitvergnügen); die ständig knapper werdenden Güter werden ständig teurer (Mineralwasser, Energie, Grünflächen).

von Serge Latouche, Le Monde diplomatique


"Wo ihr auch immer seid, hört meine letzten Worte. Alle Welten, hört meine letzten Worte. Hört auch ihr sie, ihr Aufsichtsräte, Syndikate und Regierungen der Erde. Und auch ihr, ihr Mächte hinter jenen dreckigen, auf irgendwelchen Aborten geschlossenen Geschäften, mit denen ihr euch anzueignen sucht, was euch nicht gehört. Mit denen ihr auf ewig das Land unter den Füssen der noch Ungeborenen verschachert."

William S. Burroughs, NOVA EXPRESS, 1964

Posted by zitator at 18.11.03 14:21 | TrackBack
Comments

Läuft doch im Endeffekt wieder auf eine Verteilungsfrage hinaus.
Sollte "das Wachstum" nicht vielleicht doch in eine andere, neue Richtung gehen (insbesondere alternative Energieformen, biologische Landwirtschaft)? Doch das, hört meine Worte, ist ein grosser Luxus.
Optimierung ist per se doch nicht schlecht - die Richtung immer fragwürdig und normativ. Wenn Güter knapp werden gibt es doch (mindestens) zwei Möglichkeiten: 1.Zugang erschweren (i.e. Preise erhöhen), 2.Grund für die Knappheit beseitigen.

Posted by: besserwiser at 18.11.03 15:45
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