08.11.03

Medien - Terror

"Vielleicht ist das ´Verdienst des Terrorismus´ - um frivol zu sprechen -, die katastrophilen Strömungen wenigstens hier und dort dingfest und erkennbar gemacht zu haben. Auf das Deutliche kann man sich beziehen. [...]
Hier war geschehen, was ans Lebensgefühl rührte. Ein namenloser Hunger nach Dramatik in der Geschichte und eine verzweifelte Sucht nach dem Konflikt an der richtigen Front hatte die Gemüter verwirrt [...]

Sloterdijk, Peter, Kritik der zynischen Vernunft, 1983

Die Medien und die Staatsstimmen einigten sich spontan und umfassend auf den seriösen Ton der Entrüstung und Betroffenheit. Unter Millionen veröffentlichter Sätze drang an kaum einer Stelle die atmosphärische Massenwahrheit durch; diese bestand [...] in einer flackernden Gefühlsambivalenz, in der sich Existenzängste und Katastrophenlüste ununterscheidbar vermischten. Die Gier der Berichterstattung, die masslose Breite der Diskussion und das Übermass an staatlichen und privaten Reaktionen, auch nachträglich betrachtet, eine unmissverständliche Sprache."

Posted by zitator at 08.11.03 08:40 | TrackBack
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