18.10.03

Kill Bill

Der Meister lässt sich Zeit mit seiner imperativischen Publikumsbeschimpfung, und zurück bleibt ein leeres, aber erhabenes Gefühl.
Der Film erinnert an die Schwertkampfspektakel aus Wong Kar-Weis "Ashes of Time" (aber auch an Tiger & Dragon) und den einfachen Racheplot aus Rodriguez´ "Desperado" (aktueller Teil jetzt im Kino).
Tarantino zeigt erneut, wie man durch eine gewaltige Bildsprache mit unseren Gefühlen spielen kann, ohne moralische oder rührselige Untertöne anzuschlagen. Die Paraden der in Leder und Seide gewickelten Protagonisten lassen Gefühlssaiten schwingen, die von den Affektbildern des Schmerzes unberührt bleiben.
Dennoch wird - wie immer - Raum für etwaige Kritik gelassen. Im absurden Spetakel passieren die Tabubrüche nebenbei: Die minderjährigen Tatzeuginnen, die 17jährige Leibwächterin in Schuluniform, der Missbrauch der Komatösen und die Besessenheit der Männer reihen sich nahtlos in die allzumenschlichen Übergriffe der Tarantinofilme ein. Ein Frauenfilm, kein Werbespot.
Nicht einmal ein neuer Soundtrack wird uns auf der leuchtenden Bühne der Bonbon - Ästhetik mit Blick für unvermutete Details zugemutet, welche, wie es sich für einen Kampffilm gehört, im Vordergrund steht. Vom tarantinschen Theater zum Tanz, der uns vom Realitätsanspruch der ernsthaften Actionfilme befreit und die stärkste Hommage an die trotzdem schon vergangene Ära der grossen asiatischen Kampfkunstfilme darstellt.
Keine Kopie des Lebens aber eine Landkarte der Strategien und Disziplinen, von der sogar der selbstverständliche Motor der Tarantinofilme - das Geld - verschwunden ist.

Posted by Philosoph at 18.10.03 17:17 | TrackBack
Comments

Kein vergleich zu Zen! sondern ein Abklasch.

Posted by: ZENsator at 18.10.03 22:42
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