
(von li. nach re.: John Hancock, Thomas Jefferson, George Washington)
Die Behauptung:
".. wir wissen, dass die USA bis heute das fruchtbarste Selbstlobkollektiv unter den politischen Einheiten der aktuellen "Völkerfamilie" darstellen, man könnte auch sagen die Gesellschaft, zu deren Gründungsbedingungen es gehörte, den Abbau von kulturellen Hemmungen gegen die Verwendung von erhöhenden Superlativen im demokratischen Selbstbezug so weit wie möglich voranzutreiben.
Was sind die USA, wenn nicht das Produkt einer Erklärung der Unabhängigkeit - von der Bescheidenheit (wohl nicht nur vor der britschen Krone)?"
Das Beispiel:
"Thomas Jefferson [der Mann in der Mitte, "Redakteur der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung"] hatte bereits während seiner ersten Präsidentenamtszeit in Washington in einigen von Geschäften freien Nächten sich damit befasst, aus einer Reihe von Ausgaben des neuen Testaments in griechischer, lateinischer, französischer und englischer Sprache Ausschnitte mit der Schere zu machen, die er in einem leeren Buch zu einer Neufassung des Evangeliums zusammenklebte. [Jefferson-Bible]
[...]
Wer nach der Amerikanischen und Französischen Revolution das evangelische Sprachspiel weiter als Gewinnspiel betreiben will, muss vor allem weglassen können. Das ist der Sinn des Neo-Humanismus: am alten Evangelium tilgen zu dürfen, was mit der eigenen Glorifikation als Humanist und Bürger unverträglich geworden ist.
[...]
Mit energischer Naivität trennt der aufgeklärte Redakteur die unanehmbaren Jesusworte von dem, was Jesus gesagt haben würde, hätte er von jefferson beifällig zitiert werden wollen."
Sloterdijk, Peter, s.u.; Bild: Lucasarts, Day of the Tentacle (Maniac Manshion II)
Posted by zitator at 02.09.03 19:53 | TrackBack