11.08.03

Das Kunstwerk

"In der Tragödie wird nichts auf- und vorgeführt, sondern der Kampf der neuen Götter gegen die alten wird gekämpft. Indem das Sprachwerk im Sagen des Volkes aufsteht, redet es nicht über diesen Kampf, sondern verwandelt das Sagen des Volkes dahin, dass jetzt jedes wesentliche Wort diesen Kampf führt und zur Entscheidung stellt, was heilig ist und was unheilig, was gross und was klein, was wacker und feig, was edel und flüchtig, was Herr und was Knecht (vgl. Heraklit, Fragm.53)." So Heidegger in "Der Ursprung des Kunstwerks".

Hier wird etwas wesentliches über das Kunstwerk ausgesagt (Vergessen wir für einen Augenblick die holprigen, veralteten Begriffe). Es ist kein Abbild, sagt er. Wenn man den Gedanken weiterspinnt, sind Kunstwerke keine Spiegeln der Gesellschaft. Sie sind nicht dazu da damit wir uns besser verstehen. Sie zeigen auch nicht etwas Verborgenes, das im normalen Leben nicht sichtbar werden kann. Gleichfalls dienen sie nicht der Aufklärung, der Erziehung oder der Ergötzung. Oder nicht nur, denn dass sind alles Funktionen, die wir von Kunst erwarten und mit deren Hilfe wir sie verteidigen. Z.B. gibt es diesen schönen Spruch über die wahren Künstler welche diejenigen sind, die in die Schutzschirme der Menschen Löcher reissen, damit etwas Unendlichkeit, etwas Unerhörtes eindringen kann, und Nachahmer sind jene, die den Schirm wieder mit einem Abklatsch, einer Imitation dieser Sensation flicken. Das wäre einen Beispiel etwas Verborgenes durch die Kunst sichtbar zu machen.
Doch wie können wir die Aussage von Heidegger verstehen: Das Kunstwerk, das Schauspiel verhandelt im Akt der Ausstellung, Aufführung etc. (des Schaffens?) direkt über unsere Moral, unsere Auffassungen, unserer Möglichkeiten. Ein Film beispielsweise würde also fragen (zur Entscheidung stellen) wie wir Leben können, welche Möglichkeiten wir uns zumuten wollen und welche Werte gelten sollen. Er formt nicht unser Leben als Vorbild, noch zeigt er uns, als Abbild, wie wir leben, sondern Schaffende und Konsumenten führen mit seiner Hilfe zusammen Prozess über sich selbst.
Eine interessante und vitale Sichtweise auf die Kunst ist das, doch wie der Philosoph Deleuze sagt, wartet die Kunst nicht darauf, von der Philosophie erklärt zu werden :) .

Posted by Philosoph at 11.08.03 20:11 | TrackBack
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