Letztens war ich Zeuge einer interessanten Diskussion: Es ging (mal wieder) um den Zustand der menschlichen Gesellschaft. Die Frage war, warum soviel Anlass zu Pessimismus besteht, weil beispielsweise die Massenkultur die Kreativität verhindert, die Kultur untergräbt und die Dummheit insgesamt zunimmt. Kurz, warum unsere ach so tolle Gesellschaft ein grosser Haufen Auswurf ist, wo doch alle wollen und sich bemühen, dass es besser wird
Nun war das interessante Argument es ist eben so, weil wir insgeheim wollen, selbst wenn wir das Gegenteil behaupten, dass alles so bleibt wie es ist. Die Argumentation zielte darauf ab, dass wir aus dem Schlechten Kraft schöpfen, dass wir das Schlechte brauchen, um uns darüber zu stellen und zu sagen: "Schaut, ich bin nicht so verdorben, ich bin besser, aber es ist eben nicht zu ändern." Dass wir insgeheim sogar wünschen, dass alles den Bach runtergeht. Und dieser "Fatalismus" ist ein wichtiges Element dieser Einstellung der verhindert, dass sich etwas ändern kann, weil wir schon allein wenn wir sagen wir glauben, dass es nicht besser werden kann, weil die Welt, die Menschen so schlecht sind, verhindern dass es besser wird, eben weil wir insgeheim Misanthropen sind, die allen das Schlechteste wünschen um das Dasein aushalten zu können.
Ein gutes Beispiel war der letzte Golfkrieg. Für die Argumentation ist es dabei irrelevant, wie man moralisch dazu steht, Tatsache ist, dass viele gegen diesen Krieg waren, gleichzeitig aber mit einem steigenden Fatalismus behaupteten, der Krieg wäre unvermeidbar (weil die Amerikaner .. usw.), deswegen sollte er möglichst kurz sein, danach geht es mit der Wirtschaft bergauf, das ist so wichtig, die Arbeitsplätze, etc.
Fazit: Wir wünschen uns keine Änderung weil wir davor mehr Angst haben als vor den bekannten Übeln, in mitten derer wir es uns bequem gemacht haben. Mehr als alles andere fürchten wir, dass sich unser Status ändern könnte, neue Kräfte aufkommen und uns unseren Platz streitig machen könnten.
Ich hoffe den Kern der Diskussion folgerichtig wiedergegeben zu haben, es war wohl einiges mehr dahinter, vielleicht fällt es mir wieder ein.
Posted by Philosoph at 05.08.03 22:36 | TrackBack